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<< Beiträge von Dr. Horst Finck

1. Irgendwie haben immer alle Recht – die Verlierer aber sind immer dieselben!

2. Eine Kontrolle der Kontrolle tut Not!

Irgendwie haben immer alle Recht – die Verlierer aber sind immer dieselben!

Während ein Teil unserer Politiker vehement Steuersenkungen fordert, sind andere Politiker – zu denen auch unser Finanzminister Peer Steinbrück zählt – mindestens genauso entschieden dagegen.

Da der Streit sich immer quer durch alle Parteien zieht und sich im Prinzip nur an Personen und allenfalls noch an einem Parteiflügel klar festmachen lässt, wie die gegenwärtige und die Diskussion der letzten Jahre (siehe Vermögenssteuer, Reichensteuer, Mehrwertsteuer, etc.) zeigt, kommt es wohl vor allem auf die Argumente (oder Ängste) an, die jeder Einzelne für seine Entscheidung heranzieht.

Dass es am Ende so stark unterschiedliche Meinungen gibt, liegt an einer ganzen Reihe von Aspekten, die zu berücksichtigten sind und die von den Akteuren individuell sehr unterschiedlich bewertet werden.

Natürlich sorgen sich Finanzminister über ihre Haushaltseinnahmen, nicht zuletzt auch weil sie die Begehrlichkeiten ihre Ressortkollegen kennen, die mit immer neuen Ausgabenwünschen über sie herfallen. Wenn die Steuerquellen nicht ausreichend sprudeln und Kreditaufnahmen in großem Stil nicht möglich sind, dann können keine, oder nur wenige wählerwirksame  Reformen auf den Weg gebracht werden und die eigene Wiederwahl, oder die der Partei, ist möglicherweise in Gefahr weil Stimmenverluste drohen.

In einer solchen Situation dann auch noch Steuersenkungen zu fordern, erweckt bei Finanzministern und Haushaltsexperten dann doch schon sehr leicht den Eindruck von Weltfremdheit, um es noch dezent zu formulieren.

Da hilft es auch nichts darauf zu verweisen, dass wir Deutsche im europäischen Vergleich auch nach vielen Jahren mit SPD Regierungsverantwortung eine der höchsten Steuerlasten überhaupt zu tragen haben – und dass dies vor allem für die Mitmenschen gilt, die in der Einkommensskala eben nicht oben stehen und die durchaus keine starken Schultern haben.

Da hilft es auch nichts darauf zu verweisen, dass vieles von dem schönen Steuergeld nicht gerade sinnvoll ausgegeben wird, wie die Berichte des Bundesrechnungshofes jährlich neu belegen – von der Abwrackprämie noch gar nicht geredet.

Wenn der Staat seinen Bürgern Geld abnimmt, muss er zumindest höchste Verantwortlichkeit dafür zeigen. Schlecht investiertes Geld führt zu Steuermüdigkeit und mag für den Einzelnen dann auch eine Entschuldigung für Steuerhinterziehung sein.

Das Problem besteht im Kern also erstens darin festzustellen, wie viel Geld (aus Steuereinnahmen und Krediten) der Staat wirklich braucht um seine Aufgaben zu erfüllen, und zweitens darin festzulegen, welche Bevölkerungsgruppen über die verschiedenen Steuern (und Kredite) zur Finanzierung der Staatausgaben herangezogen werden sollen. Hier sollte man darauf achten, dass auch die Inflation zur Finanzierung beiträgt, indem die Steuerlast immer größer wird, auch wenn real nicht mehr verdient wird. (Stichwort: kalte Progression.) Auch dies betrifft natürlich die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen in besonderem Maße.

Also, ganz sicher kann eine Regierung auch mit einer Menge Geld weniger noch einen guten Job machen, wenn sie dieses Geld wirklich gut überlegt ausgibt im Sinne von Zukunftsinvestitionen und nicht etwa immense Summen in irgendwelchen unproduktiven Militärausgaben mit geringem Multiplikatoreffekt, oder in Subventionen ohne Ende für längst nicht mehr überlebensfähige Wirtschaftszweige oder Produkte verschleudert.

Grundsätzlich müssen daher alle Subventionen zeitlich begrenzt werden, damit sie in regelmäßigen Abständen auf den Prüfstand kommen und ihre Sinnhaftigkeit neu überprüft werden kann. Durch eine vernünftigen Subventionspolitik könnten sicher viele Ausgaben entfallen, bzw. durch den Wegfall von Steuervergünstigungen zusätzliche Steuereinnahmen entstehen.

Vergessen werden sollten bei der Steuerdiskussion auch nicht jene möglichen Zusatzeinnahmen des Staates, die sich daraus ergäben, dass die zahlreichen Steuerschlupflöcher systematisch und nachhaltig geschlossen würden, aus denen zur Zeit noch sehr viel verloren geht. Bei vielen Millionen Arbeitslosen sollte man sich nicht scheuen mehr Personal zum Schließen solcher Schlupflöcher einzusetzen – das lohnt sich allemal!

Solchermaßen gesenkte Ausgaben, bzw. erhöhte Einnahmen sollten es dann auch irgendwie möglich machen über eine Steuerstrukturreform nicht nur nachzudenken, sondern sie auch umzusetzen. Dabei könnte dann auch die Steuerlast neu verteilt werden und eine spürbare Entlastung der Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen erfolgen.

Das Steuersystem umzustrukturieren, bedeutet vor allem auch es überschaubar zu  machen. Leider hat vielfach auch der Wunsch nach immer mehr Gerechtigkeit dazu geführt, dass das Steuersystem zu kompliziert und unübersichtlich wurde, mit dem Ergebnis, dass einige sich entziehen können und andere nicht, so dass das Ganze erst recht ungerecht wurde.

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Eine Kontrolle der Kontrolle tut Not!

Wie man jetzt in der sog. Finanzkrise sehr deutlich sehen kann, ist eines der Hauptübel die fehlende, oder unsachgemäße Kontrolle durch die dazu berufenen Personen und Institutionen. Da wird wohl dringend und dauerhaft eine Kontrolle der Kontrolle gebraucht.

In großen Kapitalgesellschaften der deutschen Wirtschaft sind die Aufsichtsräte für die Kontrolle der Vorstände und deren Arbeit verantwortlich. Aber: Laut einer Studie der Managementberatung Kienbaum stagnieren in Deutschland die Bezüge der Aufsichtsräte mit der Folge, dass deren Bezahlung den gestiegenen Anforderungen nicht mehr gerecht wird.

 

Eine solche Aussage mag überraschen, wenn man sich die Zahlen anschaut: Im Durchschnitt habe ein Aufsichtsratsmitglied im Geschäftsjahr 2007 rund 19.100 Euro erhalten. Die Arbeit von gut einem Viertel der Kontrolleure werde mit weniger als 5000 Euro brutto vergütet, rund die Hälfte erhalte nicht mehr als 10.000 Euro jährlich. Mehr als 40.000 Euro zahlten nur elf Prozent der Unternehmen. Das ergab die Kienbaum-Aufsichtsratsstudie 2007/08 auf Basis von knapp 1700 Unternehmen, die kürzlich in Gummersbach veröffentlicht wurde.

 

Die höchsten Gesamtbezüge erhielten Aufsichtsräte in Dax-Konzernen: 117.000 Euro jährlich wurden dort im Schnitt gezahlt. Nicht börsennotierte Unternehmen vergüteten die Tätigkeit ihrer Aufsichtsräte mit lediglich 12.000 Euro jährlich. Mehr als 300.000 Euro zahlte die Deutsche Bank jedem ihrer 20 Aufsichtsratsmitglieder im Jahr - damit ist sie Spitzenreiter im Dax.

 

Insgesamt werde die Vergütung dem Wandel der Tätigkeit in den vergangenen Jahren nicht gerecht, heißt es in der Studie. Von einzelnen Mitgliedern würden immer mehr Kenntnisse und Fähigkeiten gefordert. Wer für sein Unternehmen professionelle Kontrolleure haben möchte, müsse diese auch entsprechend bezahlen. Eine stärkere Erfolgsabhängigkeit sei bei der Vorstandsvergütung der richtige Weg, bei den Aufsichtsräten führe sie aber in die Irre, da es hier um Kontrolle und nicht um operative Unternehmensführung gehe.

 

Nun ja, wenn die Arbeit der Kontrollierten komplexer und anspruchsvoller wird, dann müssen logischerweise auch die Anforderungen an die Kontrolleure steigen. Dies bedeutet zum einen, dass die Meßlatte an die berufliche Qualifikation der Aufsichtsräte höher gelegt wird, und zum anderen, dass ein immer höherer Zeitaufwand für die Kontrolle eingefordert wird. Manch einer dieser Aufsichtsräte wird sich also ernsthaft fragen lassen müssen, wie viel Berufstätigkeit und/ oder sonstige Aufsichtsratstätigkeit er denn so verkraften kann, ohne seine Verpflichtungen im Aufsichtsrat eines bestimmten Unternehmens zu vernachlässigen.

 

Das Problem der Ämterhäufung bei Aufsichtsräten privater Unternehmen ist sicherlich in erster Linie von diesen Unternehmen selbst zu lösen.

Allerdings verhindern dort gegebene Machtstrukturen oft, dass die optimale Lösung gefunden und auch durchgesetzt werden kann. Angesichts der Bedeutung großer Unternehmen für die Gesamtwirtschaft unseres Landes, sollte der Staat daher durchaus das Recht haben hier korrigierend einzugreifen, falls erforderlich. 

 

Andrerseits sind die Kontrollorgane des Staates selbst auch wieder in die Kritik geraten und sollten wohl auch öfter auf den Prüfstand kommen, als bislang üblich. So schreibt Spiegel Online am 9.3.2009: Deutschland war das Hauptziel der Spekulationspapiere, weil Zertifikate dieser Art hier im Gegensatz zu vielen anderen Ländern wie Frankreich oder den USA erlaubt sind. Gleichzeitig ist die staatliche Aufsicht über solche Risikogeschäfte nicht mehr als ein "Papiertiger".

 

Dies bedeutet im Klartext, dass hier wichtige Gesetze von Leuten gemacht wurden, die offensichtlich nicht in der Lage waren die wirkliche Tragweite dieser Gesetzesvorhaben zu überblicken, und dass gleichzeitig die Kontrolle der Umsetzung dieser Gesetze an Institutionen überlassen wurde, die dazu – aus welchen Gründen auch immer - nicht geeignet waren!

Da die SPD nun ja schon ziemlich lange in der Regierungsverantwortung steht, gehen solche Vorwürfe natürlich auch mit uns heim. Grund genug einmal ernsthaft zu diskutieren, ob und inwieweit wir dafür sorgen können, dass wir zum einen kompetente Genossen in wichtige Gremien entsenden und zum anderen sicherstellen können, dass unsere Genossen nicht zu viele Ämter in Aufsichtsräten und sonstigen Kontrollorganen übernehmen und damit letzten Endes uns alle in Misskredit bringen. 

 

Vielleicht müsste man in einem ersten Schritt aber erst mal erreichen, dass zumindest parteiintern offen gelegt wird, wer wo was kontrolliert, bzw. kontrollieren soll.

 

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Stand: 06. Dezember 2009.